Dagur 8

Eine Woche ist nun bereits vergangen und ich finde mich im nunmehr überschaubaren Akureyri deutlich besser zurecht. Die Rechnerei habe ich vom Blog auf meinen Papierblock verschoben, immerhin will ich hier keine Reisekosten zum Hauptthema machen.

Das Vergangene Wochenende war recht sonnig und so stieg die Temperatur auf zwischenzeitlich 19 Grad Celsius. Dies ermutigte mich dieses wohl letzte große Aufleben des Sommers zu nutzen und ich suchte mir ein mit dem Rad erreichbares sehenswertes Ziel aus. 
Grótagjá - Fans der Serie Game of Thrones wohl besser bekannt als Jon Snows und Ygrittes Liebesnest - war mit 80 km (einfach) zu weit weg für einen Trip nach zwölf Uhr Mittags (zumal ich ohnehin keine Ygritte zum Planschen dabei gehabt hätte).
Die Entscheidung fiel daher letztlich auf Goðafoss, einem der bekanntesten Wasserfällen Islands. Mit 50 km (einfach) durchaus machbar, wenn man sich zum Ziel nimmt um zwei Uhr loszufahren spätestens zehn Uhr wieder zurück zu sein, da es um diese Uhrzeit dämmert.

Gesagt getan also brav auch warmes zum Anziehen, etwas zu Trinken und zu Essen eingepackt und los ging es. Auf dem Weg musste ich immer wieder anhalten um Fotos zu machen, und so kam ich zuerst nur langsam voran. - Zu langsam wie ich feststellen musste, ich war gerade mal kaum 10 km weit und habe bereits eine Stunde gebraucht! Also genug der Fotografiererei, und weiter der Route 1 entlang geradelt.

Bis es dann bergauf ging, und zwar richtig (siehe Höhenprofil) - ich hatte nur ein 7-Gang-City-Bike und kämpfte mich Meter um Meter den Berg hinauf. Aus vorbeifahrenden Autos bekam ich respektvolle Blicke, Nicken und Daumen-hoch-Gesten zugeworfen, wobei ich mir immer noch nicht sicher bin ob das einfach dem Umstand geschuldet war, dass ich im Island-Trikot der EM 2016 auf dem Rad saß.


Strecke mit Höhenprofil


Oben dann endlich angekommen einen großen Schluck Wasser getrunken ging es Weiter, 30 km wollten noch bis zum Ziel bewältigt werden. Ich zählte die Meter stets über die Pfeiler am Straßenrand mit. Gut, zwischen drin hielt ich doch wieder an um Fotos zu machen, die Landschaft war einfach zu schön!

Akureyri aus östlicher Richtung des Fjordes

Der letzte Abschnitt der Strecke bevor es wieder bergab ging

Zwischenzeitlich zog der Himmel sich immer weiter zu und es wurde wolkiger und kühler. Also rasch angehalten, lange Hose und winddichte Jacke an, und wieder aufs Rad. Auf 1,2 km kommt einem dann auch schon ein Schild entgegen, dass man es fast zum Ziel geschafft hat. 

Panorama des Godafoss

Obligatorisches Selfie durfte nicht fehlen

Nun vielleicht zur Frage "Was macht den Goðafoss so besonders?", besonders hoch ist er ja nun nicht. Um die Frage zu klären und etwaigen LeserInnen hier das Googlen zu ersparen zitiere ich direkt den Wiki Eintrag: 

"Der Sage nach soll der Gode und Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði Þorkelsson um das Jahr 1000 n. Chr., nach der beschlossenen Übernahme des Christentums als Staatsreligion, die letzten heidnischen Götterbilder in den Goðafoss geworfen haben. Daher der Name (= Götterwasserfall). Ein Kirchenfensterbild in der Domkirche von Akureyri (Akureyrarkirkja) erinnert an diese Geschichte.

Ansonsten ist's eben "nur" ein nicer Wasserfall, an dem man gut Rast machen kann.

Der Weg zurück war dann...naja, anstrengend ist vieles, und obwohl ich mich nicht unbedingt als unsportlich bezeichnen würde, ich für meinen Teil war am Ende an eben diesem. Was dazukam war nebst nachlassender Kräfte auch der Hunger und nach der zum zweiten Mal überwundenen Steigung auch ein feucht-kalter Nordwind, der vom Atlantik den Fjord hinein wehte.

Immerhin tat dies dem Anblick keinen Abbruch:

Ab und an standen auch Schafe und Kühe direkt am Straßenrand

Sorry für den Handschuh im Bild!

Abends dann mit Skyr, Isländischem Bier (darf in normalen Supermärkten übrigens nur bis 2,25 % Vol. Alk. verkauft werden für alles darüber muss man in staatliche Alkoholläden) und einer Tütensuppe, sowie einer Menge Súrmjólk (Kefir-artiges Sauermilch Getränk) wieder Kraft getankt. 

Kurz darauf bin ich dann auch schon eingeschlafen. 





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